Energie & Klimaschutz
Wenn die Wohnung zur Hitzefalle wird - warum Klimageräte im Mehrfamilienhaus jetzt zur Pflichtüberlegung gehören
Deutschland erlebte gerade die intensivste Hitzewelle der Messgeschichte. Was das in einer Altbauwohnung bedeutet – und was dagegen hilft.
Von Eric Foerster · Juni 2026 · Lesedauer ca. 7 Min.
Die Woche, die alles verändert hat
In der vergangenen Woche hat Norddeutschland eine Hitzewelle erlebt, die ihresgleichen sucht.
Der Deutsche Wetterdienst meldet für Mecklenburg-Vorpommern Temperaturen von bis zu 38 Grad – mögliche neue Juni-Rekordwerte. Bundesweit wurde am 28. Juni 2026 in Brandenburg der deutsche Allzeitrekord gebrochen: 41,7 Grad Celsius.
Gebäude, die sich über drei, vier, fünf Tage aufheizen, geben die Wärme nachts kaum noch ab. Selbst wenn draussen kurz nach Mitternacht 28 Grad herrschen, schläft man in einer Wohnung, die sich auf 32 Grad aufgeheizt hat.
Wir verwalten Liegenschaften in Stralsund. In dieser Woche haben wir gesehen, wie gross der Unterschied zwischen Wohnungen mit und ohne Klimageräte tatsächlich ist.
In Wohnungen mit Klimageräten: angenehme Temperaturen, kein Problem.
In Wohnungen ohne: keine Rückmeldung – nur Hitze.
Was unsere Mieterinnen und Mieter berichten
In den Liegenschaften, in denen wir Klimageräte installiert haben, meldeten sich Bewohnerinnen und Bewohner mit einer klaren Rückmeldung: angenehme Temperaturen zuhause, kein Problem mit der Hitze. Besonders für diejenigen, die im Homeoffice arbeiten, war die klimatisierte Wohnung keine Komfortfrage, sondern eine praktische Notwendigkeit – weil die Büros in der Stadt genauso wenig klimatisiert sind wie die meisten Altbauwohnungen.
In Wohnungen ohne Klimageräte blieb diese Rückmeldung aus.
Das ist kein anekdotischer Vergleich. Es ist ein Vorher-Nachher in denselben Gebäuden, unter denselben Bedingungen, mit demselben Wetter.
Warum Altbauten besonders betroffen sind
Gebäude aus den 1950er bis 1970er Jahren wurden nicht für Sommer gebaut, die heute normal sind.
Ein Mangel liegt in der Regel nur vor, wenn das Gebäude nicht dem zur Bauzeit geltenden Stand der Technik entsprach. Wurde ein Gebäude entsprechend den zur Bauzeit geltenden Regeln errichtet, dann wird die Hitze eher dem allgemeinen Lebensrisiko zugerechnet. Mietrechtlich gilt die sommerliche Aufheizung durch heutige Temperaturen überwiegend als allgemeines Lebensrisiko – nicht als Mangel. Für Eigentümer und Verwalter entsteht die Entscheidung, etwas zu tun, nicht aus juristischem Druck, sondern aus sachlicher Abwägung.
Die gesundheitliche Realität
Vor dem nächsten Winter hat niemand Angst. Wir wissen, was zu tun ist: eine Schicht mehr anziehen, sich bewegen, einen heißen Tee kochen. Kälte ist unangenehm – aber sie lässt sich mit einfachen Mitteln begegnen.
Hitze ist anders. Wenn die Innentemperatur über mehrere Tage auf 32, 33, 34 Grad steigt, gibt es kein Hausmittel, das wirklich hilft. Der Körper kann die Wärme nicht mehr effizient abgeben. Konzentration, Kreislauf und Schlaf verschlechtern sich schleichend – oft bevor man bemerkt, wie ernst die Belastung bereits ist.
Das Robert Koch-Institut schätzt für die Sommer 2022 bis 2024 jeweils mehrere tausend hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland – den grössten Anteil machen Personen ab 75 Jahren aus.
Ein Hitzschlag beginnt, wenn die Körpertemperatur auf über 40 Grad steigt und die Wärmeregulation versagt. Die erste und effektivste Schutzmassnahme ist eine kühle Umgebung – etwas, das Ventilatoren bei 32 Grad Innentemperatur nicht leisten können.
Klimageräte als Ergänzung - kein Ersatz für die Bestandsheizung
Im Sommer kühlen sie. Im Winter heizen sie – als Luft-Luft-Wärmepumpe mit einem SCOP von 3,5 bis 4,2. Für jede eingesetzte kWh Strom werden 3,5 bis 4,2 kWh Wärme erzeugt. Eine Gasheizung erzeugt pro kWh Einsatz ungefähr eine kWh Wärme.
Klimageräte ergänzend zur Bestandsheizung entlasten die alte Anlage spürbar – besonders in der Übergangszeit. Das verlängert die Lebensdauer messbar und verschiebt den Zeitpunkt einer kostspiеligen Erneuerung nach hinten.
Eine Heizungssanierung im MFH kostet schnell 40.000 bis 80.000 Euro. Wenn Klimageräte die Bestandsheizung um fünf Jahre länger betriebsfähig halten, ist der Investitionsvergleich eindeutig.
TRANSPARENZ-HINWEIS
Für Liegenschaften, in denen wir die Gasheizung vollständig durch Klimageräte ersetzt haben, haben wir BAFA-Förderung beantragt und erhalten. Den vollständigen Erfahrungsbericht lesen Sie hier. Für die ergänzende Installation – also dort, wo die Bestandsheizung erhalten bleibt – war das nicht der Fall. Diese Unterscheidung ist relevant für Ihre Planung. Im Zweifelsfall klären wir das gern vorab.
Im November 2023 ist in einer unserer Stralsunder Liegenschaften die Gasheizung ausgefallen – mitten in der Heizsaison, mit 2 Wochen Zeitdruck. Wir haben die Anlage durch Klimageräte ersetzt, BAFA-Förderung erhalten und die Umstellung in laufendem Betrieb abgewickelt.
Den vollständigen Bericht haben wir im Artikel Heizung modernisieren in Stralsund veröffentlicht.
Erste Einschätzung für Ihre Liegenschaft
Wir haben ein eigenes Netzwerk für die Installation von Klimageräten – über unseren familieneigenen Fachbetrieb für Klimatechnik. Kurze Wege, realistische Zeitplanung, keine Koordinationsverluste zwischen Verwaltung und ausführendem Betrieb.